Technisch und historisch wertvoll

Zur Geschichte der Sendestelle des Regierungsbunkers in Kirspenich

Hinter Stacheldraht verbarrikadierte sich der Bundesgrenzschutz und betrieb von 1965 bis 1998 die Sendestelle für die Nachrichtenübertragung aus dem Regierungsbunker.

Neben dem Regierungsbunker im Ahrtal (Tarnname „THW2“) baute die Bundesregierung im 30 km entfernten Kirspenich eine weitere Bunkeranlage samt Antennenfeld (Tarnname THW3). Von hier sollte der Sendebetrieb (Fernschreibverbindung über Kurzwelle) für den Regierungsbunker abgewickelt werden.

Die Entfernung zum Regierungsbunker diente dessen Schutz: Eine leistungsstarke Funkquelle ist relativ einfach anzupeilen und kann so gezielt bekämpft werden. Also wurde vom Regierungsbunker nicht gesendet, sondern dort auf dem Rücken des Kuxberges ausschließlich eine Empfangsanlage aufgebaut.

Die verbunkerte Sendestelle in Kirspenich wurde von 1963 bis 1965 als „Anlage des THW, 3. Teil“ gebaut und anschließend als Polizeihauptfunkstelle durch den Bundesgrenzschutz (BGS) betrieben.

1979 wurde der Bunkerkomplex und das darüber befindliche Antennenfeld umgebaut und technisch erweitert. Als neue Nutznießer der technisch in der Bundesrepublik einmaligen und leistungsstarken Sendeanlage kamen in dieser Zeit das Auswärtige Amt für den Botschaftsfunk in alle Welt sowie der Bundesnachrichtendienst dazu, der zu seiner Nutzung in der geheimen Kirspenicher Unterwelt aber auch gegenüber dem Betreiber BGS keine Angaben machte.

Zeitreise zurück in die 60er Jahre: Die Anlage in Kirspenich (unter ihrem ersten Leiter Rothermund; Bildmitte) war bundesweit eine technische Ausnahmeerscheinung, denn die Leistungsfähigkeit und zahlreiche Antennen gab es in der Kombination mit einem Bunker kein zweites Mal.

Ein Staatsgeheimnis im Staatsgeheimnis – die Verschachtelung von Geheimniskrämerei, die bis zur Außerdienstsetzung der Anlage 1998 anhielt. Nachdem der Bunker 1996 nochmals für mehrere Millionen D-Mark modernisiert wurde, folgte kurze Zeit später die Schließung. Denn nach dem „Aus“ für den Regierungsbunker 1997 wurde auch die Sendestelle in Kirspenich wegen „Feinbildverlust“ aufgegeben, allerdings nicht rückgebaut, sondern privatisiert.

Bunker und Antennenanlage wurden erhalten und können 2011 erstmals im Rahmen regelmäßiger Öffnungszeiten und Führungen besichtigt werden.