Wo einst Schmidt und Erhardt verschwanden

Teil 1 der Eifel-Bunker-Tour: Der Regierungsbunker in Ahrweiler

Bundeskanzler, Minister oder Staatssekretäre gingen einst über diesen Flur. Heute sind es "ganz normale" Besucher.Helmut Schmidt ging über diesen Flur, Bundeskanzler Ludwig Erhardt ebenso. Bundesminister, Staatssekretäre, bekannte und weniger bekannte Namen der Politik. Was sie alle eint: Durch das Zugangsbauwerk 123, vorbei an den 25 Tonnen schweren MAN-Toren, führte ihr Weg in die Tiefen des Kuxberges. Ganz nach „Dienstgrad“ wurden die Kilometer langen Wege mit dem Elektrokarren zurück gelegt, oder zu Fuß.

Für die Gäste der Eifel-Bunker-Tour geht es auf jeden Fall zu Fuß in den Bunker. Nur dürfen sie sich Zeit nehmen und das Areal mit seinen interessanten Seitengängen auch jenseits der Ideallinie erkunden. Es geht in die Technikräume eines MAN-Tores, durch den Duschtrakt der Dekontaminierung. Das alles bekamen Helmut Schmidt & Co. nicht zu sehen.

Abstecher in die Räume des Bunkers enden immer wieder auf dem Hauptflur (links).Die zahlreichen Abstecher in die Räume des Bunkers enden immer wieder auf dem Hauptflur – der zentralen Verkehrsachse. Und auch, wenn man nicht bei jedem Schritt darüber nachdenken muss, wer hier schon alles unterwegs war – eine Zahl spiegelt beeindruckend wider, was die Besucher unter den Füßen haben: Jeder Meter, den man zurücklegt, entspricht 139.499,30 Euro! So bewegt man sich im Bummelschritt über materielle Werte, die sich nach sieben Metern auf eine Million Euro addieren. Steuergelder wohlgemerkt, die vorbei an jeder Kontrollinstanz von der Regierung in den Berg betoniert wurden. Wer dann, nach einem Abstecher im Unterkunftsbereich des Bundespräsidenten, dem Friseursalon für 3.000 Menschen oder vorbei an den taktischen Karten des Militärs schließlich auf der Aussichtsplattform der Dokumentationsstätte steht und sich vom Tunnelblick faszinieren lässt, hat 28,3 Mio. Euro durchwandert. Und ist gerade einmal 203 Meter vom Eingang des ehemaligen Regierungsbunkers entfernt. 17,1 Kilometer liegen im Finstern vor einem.

Abbild der realen Angst vor dem Atomkrieg der 60er Jahre: Selbst der rückgebaute Regierungsbunker strahlt das aus.Das riesige Tunnellabyrinth an der Ahr mit seiner urbanen Ausstrahlungskraft ist ein gedankliches Abbild der realen Angst vor dem Atomkrieg der 60er Jahre aus Beton und reichlich Technik. Ein Rückzugsraum, der aus der Hoffnung entworfen wurde, er funktioniere. Jeder Art von Angriff sollte der gigantische Koloss standhalten.

Teil 1 der Eifel-Bunker-Tour steht für Größe. Und für ein bis ins letzte Detail durchorganisiertes Krisenmanagement „3. Weltkrieg“, das beeindruckend über den Bunker dokumentiert wird. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Das ist zu sehen, wird aber auch in allen Details durch die Gästeführer der Dokumentationsstätte erklärt.

Nach zwei Stunden ist diese extra für die Eifel-Bunker-Tour zeitlich erweiterte Sonderführung beendet. Dort, wo Helmut Schmidt auch wieder ans Tageslicht zurückkehrte, können sich die Besucher mit ihren frisch gewonnen Eindrücken auf Teil 2 des Tages freuen.

Rückzug. Nach zwei Stunden ist die Führung im ersten von zwei Atombunkern dieses Tages beendet.Und das haben weder Bundeskanzler Ludwig Erhardt oder seine Nachfolger erlebt: Es geht weiter, mit dem Bus durchs Ahrtal Richtung Ausweichsitz der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Der zweite Atombunker wartet auf seine Besucher. Den Weg dahin versüßt das Lunch-Paket. Neu bei der Eifel-Bunker-Tour: Im Bus wird ein Film über den Regierungsbunker gezeigt und bietet zusätzliche Informationen und Eindrücke. Die meisten Bilder wurden aufgenommen, als alles noch an seinem Platz war, an diesem unterirdischen Regierungssitz. Eine Einstimmung auf das, was in Urft ab 13.30 Uhr auf die Gäste zukommt ...

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06.09.2009 Bundeskanzler, Helmut Schmidt, Ludwig Erhardt